NEBENBEI BEMERKT: „Viele Leute sind der Meinung, dass das richtig war“

Rainer Sauer NEBENBEI BEMERKT Logo

Der amerikanische Präsident hat wieder einmal „Donald allmächtig“ gespielt und den berüchtigten früheren Sheriff von Maricopa County/Arizona, Joe Arpaio, der zuvor wegen Missachtung von richterlichen Verfügungen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, begnadigt. Trump tat dies, weil er eben genau diese von Arpaio vorgelebte Art des Rassismus, als etwas betrachtet, das Amerika groß gemacht hat. Mit den Worten „Viele Leute sind der Meinung, dass das richtig war“, kommentierte der Präsident seine Entscheidung.

Doch Arpaios Begnadigung ist eine schallende Ohrfeige für alle, die sich zuvor durch die gerichtlichen Instanzen gearbeitet hatten, um den rassistischen Gesetzeshüter zur Verantwortung zu ziehen. Sie ist zudem Donald Trumps Zeichen der Verachtung für jeden Amerikaner, der an Gerechtigkeit glaubt, an die Macht der Justiz und an die Menschenwürde. Und sie wirft ein Licht darauf, dass es Trump ernst damit meint, notfalls auch sich selbst zu begnadigen, falls juristisches Ungemach wegen der laufenden Ermittlungen gegen ihn drohen sollte.

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The President Of The United States – Grafik von John Burgess, 2016

Kontrovers ist die Begnadigung von Arpaio ohnehin schon allein deshalb, weil Trump damit einem politischen Freund half. Das, was Trump und Arapio verbindet, wird im Amerikanischen durch eine typische Wortverschmelzung bezeichnet: „bromance“, gebildet aus den Worten „brothers“ und „romance“. „Bromance“ meint: es handelt sich um Menschen mit den gleichen Persönlichkeiten und Weltanschauungen, mit ähnlichen politischen Zielen. Diese Freundschaft verbindet und stützt sich auf eine, im konservativen Amerika gelebte Philosophie, man dürfe das vermeintlich Richtige tun, notfalls ohne auf political correctness oder das Recht zu achten. Im Film wurde dies einst durch die Figur des „Dirty Harry“ verewigt.

Arpaio, von den Konservativen gerne als der „härteste Sheriff Amerikas“ betitelt,  hat jahrelang gegen eine Reihe von Gesetzen verstoßen, angeblich um Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die in der Begnadigung durch den US-Präsidenten enthaltene Ironie ist, dass Gleichheit vor dem Gesetz und ein „Nein“ zur Willkür staatlicher Macht zwei der wichtigsten Grundlagen des amerikanischen Rechtsstaats sind. Donald Trump hat mit seiner Entscheidung einen der ärgsten Rassisten, die in jüngerer Zeit in den USA ein öffentliches Amt bekleidet hatten, rehabiliert und damit all jenen weißen US-Amerikanern Zuspruch gegeben,  die sich für etwas Besseres halten und solche mit anderer Hautfarbe als Bürger zweiter Klasse sehen.

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