NEBENBEI BEMERKT: Wer war für das Ende der Beatles verantwortlich?

Rainer Sauer NEBENBEI BEMERKT Logo

Jamaika ist Vergangenheit, ehe in Deutschland die Inselpolitik überhaupt begonnen hatte. Jetzt werden Schuldige gesucht. Das ist immer so und das ist gut so. Weil Schuldige eben die Schuld daran tragen, dass irgendetwas passiert ist. Wie ein Beispiel aus dem Jahre 1970 zeigt. Da gab nämlich am 10. April ein gewisser Herr Paul McCartney seinen Ausstieg bei den Beatles und damit das Ende der Band bekannt. Ein Eklat für die Fans weltweit – nur gut, dass damit klar war, wer der Schuldige ist.

George Harrison dürfte davon erfahren haben, während er sein morgendliches Mantra gesprochen hatte um sein Solo-Album „All things must pass“ weiterzuführen. John Lennon war mit seiner Frau Yoko Ono in New York und driftete dort zwischen kaltem Entzug und der Arbeit mit seiner Plastic Ono Band hin und her, während Ringo Starr bei Dreharbeiten war und sich am Beginn einer Schauspieler-Karriere im komödiantischen Fach sah.

Es könnte gut sein, dass bei der Nachricht aus London alle drei zunächst einmal aufatmeten, denn der kräftezehrende Todeskampf der besten und erfolgreichsten Musikgruppe der Welt war damit endlich vorbei und alle vier Beatles konnten sich von nun ab frei fühlen. In den vorangegangenen zwei Jahren gab es fast nur Streit, wenn die Beatles im Studio waren. Die vier jungen Männer, alle um Ende 20, waren durch die Strapazen der letzten Jahre müde geworden, ausgebrannt, befanden sich in künstlerischen Differenzen.

John Lennon plays Guitar by Arthur Ranson - Abbildung © MediaPool Jena

Fast wäre es Ringo gewesen, der 1968 das Ende der Band verkündet hätte. Während der Aufnahmen zum „White Album“ hatte der Gutmütigste unter den Fab Four die Faxen dicke und setzte sich nach Sardinien ab, konnte nur mit dem Schwur der anderen drei, er sei der beste Schlagzeuger der Welt, wieder besänftigt werden. Es ist nicht überliefert, ob John, Paul und George dabei die Finger kreuzten. Aber es half nichts. Nur Wochen später herrschte der blanke Hass zwischen George und John – beide buchten eigene Studiozeit, damit sie nicht mit dem jeweils anderen zusammen spielen mussten. So entstand am Ende auch „Abbey Road“.

1969 kam es dann zur vorübergehenden Trennung von George Harrison. Er verließ nach einem handgreiflichen Streit mit John die Studios, worauf Lennon gesagt haben soll: „Wenn er nicht wiederkommt, nehmen wir Clapton oder Hendrix als Ersatz.“ Harrison kehrte nach einer Woche zurück, unter der Bedingung, endlich die von einem Filmteam begleiteten „Get Back“-Sessions zu beenden. Kurz vor der Veröffentlichung von „Abbey Road“ im September 1969 verkündete Lennon schließlich der Band gegenüber seinen Austritt, willigte jedoch ein, die Entscheidung nicht öffentlich zu machen, um den Erfolg der Platte nicht zu gefährden.

FORTSCHRITT - FREIHEIT - FAIRNESS - weiss - Abbildung © FDP JenaMan kann es als Akt des Wortbruchs werten, dass es am Ende nicht John Lennon vorbehalten blieb, das Ende der Beatles zu verkünden. Da nur eine Woche später die Solo-LP „McCartney“ auf den Markt kam, unterstellte Lennon sogar, das sei alles nur eine Marketing-Aktion McCartneys gewesen. Künstlerisch gesehen war es der richtige Weg, auseinanderzugehen, denn ihre besten Produktionen lieferten die ehemaligen Beatles-Mitglieder direkt im Anschluss an die gemeinsame Zeit ab. Harrison 1970 mit „My Sweet Lord“, „What is Life?“ und „Bangla Desh“, Lennon mit „Power to the People“, „Imagine“ und „Happy Xmas (War Is Over)“, Ringo Starr mit „It don’t come easy“, „Back Off Boogaloo“ und „Photograph“.

Auch Paul McCartney – dem „Schuldigen“ aus Sicht der Fans – tat die Trennung gut. Sein Album „Band On The Run“ erreichte 1973 weltweite Popularität, die Erinnerungen an die Goldenen Zeiten der Beatles weckte. Bis heute bezeichnet er seine damalige Entscheidung als einen richtigen und notwendigen Schritt. – Was Jamaika betrifft: Union und Grüne sagen nun, die FDP habe Angst vor dem Regieren gehabt. Es ist also wieder Zeit, um Legenden zu bilden. Jeder so, wie er sie braucht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s